HR-RADAR

Krankenstand auf Rekordniveau: Was die Zahlen 2025 für kleine Teams bedeuten

5,83 Prozent Krankenstand im Jahresschnitt 2025 und ein Anteil psychischer Erkrankungen, der sich seit 2016 fast verdoppelt hat. In kleinen Entwicklerteams trifft ein einziger Langzeitausfall besonders hart.

Empfehlung Stand 03.03.2026· geprüft am 03.03.2026· 3 Min. Lesezeit

Der Krankenstand in Deutschland bewegt sich weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Für große Unternehmen mit breiten Teams ist das eine Zahl in der Personalstatistik. In einem Softwareunternehmen mit 20 oder 50 Beschäftigten kann derselbe Trend bedeuten, dass ausgerechnet die eine Person fehlt, die den Produktionscode am besten kennt.

Die Zahlen im Überblick

Nach Angaben des BKK Dachverbands lag der durchschnittliche Krankenstand seiner Mitglieder 2025 bei 5,83 Prozent und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 5,90 Prozent. Trotz dieses minimalen Rückgangs bleibt das Niveau deutlich über dem Stand vor der Corona-Pandemie. Das Statistische Bundesamt kommt für die gesetzlich Versicherten insgesamt auf einen Jahresdurchschnitt von 14,6 Arbeitstagen Krankmeldung pro Beschäftigtem, ebenfalls ein Wert, der seit 2021 spürbar gestiegen ist.

Warum die Zahl höher wirkt, als sie ist, und trotzdem ernst zu nehmen bleibt

Ein wesentlicher Teil des Anstiegs seit 2022 geht auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurück: Krankmeldungen werden seither vollständig und digital an die Krankenkassen übermittelt, während sie vorher teilweise gar nicht erfasst wurden. Der BKK Dachverband spricht deshalb von mehr Transparenz statt mehr Krankheit. Das erklärt aber nicht den zweiten, deutlich beunruhigenderen Trend: Der Krankenstand, der auf psychische Erkrankungen entfällt, ist von 0,62 Prozentpunkten im Jahr 2016 auf 0,96 Prozentpunkte im Jahr 2025 gestiegen, ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Damit geht inzwischen rund ein Sechstel aller Fehltage auf psychische Erkrankungen zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 1,20 Prozentpunkten und Atemwegserkrankungen mit 1,17 Prozentpunkten bleiben zwar die häufigsten Ursachen, aber die psychische Belastung wächst am schnellsten.

Was das für kleine Teams bedeutet

In einem Team von fünf Entwicklerinnen und Entwicklern entspricht ein einzelner Langzeitausfall einem Kapazitätsverlust von 20 Prozent, ohne dass sich das kurzfristig über neue Einstellungen kompensieren lässt. Gerade in Softwareunternehmen mit hohem Termindruck und tiefem Spezialwissen einzelner Personen wirkt sich psychische Belastung häufig zuerst in sinkender Qualität und erst danach in einer echten Krankschreibung aus. Wer erst reagiert, wenn die Krankmeldung vorliegt, reagiert zu spät.

Der Unterschied zwischen Erfassung und tatsächlicher Belastung

Die Diskussion um die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung führt leicht zu dem Trugschluss, der gesamte Anstieg des Krankenstands seit 2022 sei nur ein Erfassungseffekt. Für die Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen mag das teilweise zutreffen, für den Anstieg der psychischen Erkrankungen greift diese Erklärung erkennbar zu kurz: Eine bessere statistische Erfassung würde erklären, warum mehr Fälle sichtbar werden, nicht aber, warum ihr Anteil an allen Fehltagen über zehn Jahre kontinuierlich wächst. Für die Personalplanung in kleinen Teams ist genau dieser strukturelle Trend relevanter als die Gesamtzahl der Fehltage.

Was Sie jetzt tun sollten

  • Führen Sie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung nicht nur pro forma durch, sondern werten Sie die Ergebnisse tatsächlich aus und leiten Sie Maßnahmen ab.
  • Etablieren Sie strukturierte Rückkehrgespräche nach längeren Krankheitszeiten, nicht als Kontrolle, sondern um Überlastung frühzeitig zu erkennen.
  • Dokumentieren Sie Vertretungsregelungen für Schlüsselrollen, damit ein einzelner Ausfall nicht das ganze Projekt gefährdet.
  • Nehmen Sie frühe Anzeichen wie dauerhafte Erreichbarkeit am Wochenende oder sinkende Codequalität als Warnsignal ernst, bevor daraus ein Ausfall wird.

Der Krankenstand lässt sich als Unternehmen nicht direkt steuern, die Rahmenbedingungen dafür aber schon. Eine realistische Personalplanung, die Ausfälle einkalkuliert, ist in kleinen Teams keine Kür, sondern eine Voraussetzung dafür, dass ein einzelner Krankheitsfall nicht zum Projektrisiko wird.

Nadine UllrichGeschäftsführerin HRzlich GmbH, seit über 15 Jahren im Personalwesen

Quellen

  1. BKK Dachverband, Krankenstand 2025: Mehr Transparenz, nicht mehr Krankheit Quelle (geprüft am 03.03.2026)
  2. Statistisches Bundesamt, Krankenstand Quelle (geprüft am 03.03.2026)
Kein RechtsratDieser Beitrag informiert und ordnet ein, er ist keine Rechtsberatung. Wie die Regelung in Ihrem Unternehmen konkret umzusetzen ist, klären Sie bitte mit einer Kanzlei für Arbeitsrecht oder Ihrer Steuerberatung.
HR-Update per E-Mail
Kostenlose Potenzialanalyse

Wo brennt es bei Ihnen am meisten?

Finden Sie es in einer kostenlosen Potenzialanalyse heraus. Genau 15 Minuten, klare Einschätzung, keine Verpflichtung.

Genau 15 Minuten, kompakt und konkret
Klare Einschätzung Ihrer größten Hebel
Keine Verpflichtung, kein Verkaufsdruck
Nadine Ullrich, Geschäftsführerin der HRzlich GmbH, in ihrem Büro

Konsequent digital, kompromisslos h(e)rzlich.

Über 15 Jahre Personalwesen, Verantwortung für Strukturen mit 120+ Mitarbeitenden. Sie kennt Strategie und operative Realität wachsender Unternehmen gleichermaßen.

Nadine Ullrich · Geschäftsführerin, HRzlich
Anrufen Potenzialanalyse starten